Arbeit

Arbeit ist in aller Munde. Viele reden ständig von Arbeit, Arbeitslosigkeit (gerade hier im Osten), Arbeitsförderung, Arbeitslosengeld und -hilfe, Arbeitsamtsberatern, Qualifizierung, Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsfreundlichkeit. Wer die Begriffe gemacht hat, also wessen Sicht diese Begriffswelt darstellt zeigt etwa deutlich das Begriffspaar Arbeitnehmer - Arbeitgeber. Überall wird derjenige, der die Arbeit eines Menschen für seine Produktion nutzt, sie also nimmt und dafür einen Lohn gibt als Arbeitsgeber bezeichnet. Wenn die Mächtigen sich schon als Geber sehen wollen, dann könnten sie doch wenigstens mal der Korrektheit halber sich "Lohngeber" oder "Brotgeber" nennen, denn der Chef ist ja nun wirklich kein Arbeitgeber, sondern deutlich ein Arbeitnehmer.

Wer arbeitet braucht Disziplin. Arbeit ist der zivile Krieg, wenn vor Ort gerade kein militärischer Krieg stattfindet - Krieg der Außenwelt, um sich selbst zu behaupten. Es wird einem nichts geschenkt. Der Arbeitende ist ein Gerechter; er ist gerechtfertigt für das, was er tut, welche Folgen es auch immer haben mag, weil er ja arbeitet und Arbeit schon schwer genug ist. Die Arbeit ist des Bürgers Zier. Etymologisch stammt "Arbeit" vom Wortstamm "Mühsal, Plage". Was soll nun Arbeit sein?

Was ist das: Arbeit? Wann arbeitet jemand und wann arbeitet er nicht? Ist Arbeit nur dann Arbeit, wenn sie keinen Spaß macht? Die Herkunft des Begriffes spricht dafür. Aber was bedeutet es heute zu arbeiten? Am Morgen nach dem Frühstück muß der Vater zur Arbeit, auch wenn das Kind noch gerne mit ihm Türme aus Bausteinen bauen würde. Warum ist Türme aus Holzklötzen bauen keine Arbeit, jedoch den ganzen Tag mit Leuten wegen Geld zu telefonieren, die man nie gesehen hat und die einen auch nicht interessieren? Warum erzittert alles "Zivilisierte" vor dem Begriff "Arbeit" und alles muß sich ihm beugen? Warum scheinen selbst Menschenleben im Vergleich zur Arbeit weniger wichtig? Bestie dein Name ist Weltsucht!

"Geld" lautet scheinbar die Antwort. Wer arbeitet, der bekommt Lohn dafür. Wer was anderes macht, der ist faul, ein Taugenichts. Wer den ganzen Tag im Steinbruch schuftet und dafür kein Geld bekommt, ist faul und wer dasselbe macht und Geld dafür bekommt, der ist fleißig. Arbeit als Begriff ist nicht trennbar vom Ungeist, da sie sich aus ihm definiert. Fleiß, das ist groteskerweise ein Begriff geworden, der optimal disziplinierte Faulheit und Lustlosigkeit bezeichnet. Arbeit ist demnach eine Tätigkeit, die entlohnt wird, sodaß der Arbeitende bemittelt ist und in Folge dessen ökonomisch nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sein wird. Ein Mensch der Autos klaut und verhehlt arbeitet demnach? Das kommt nun wohl darauf an, wo er die Autos klaut. Klaut er die Autos weit weg und muß ich mir keine Sorgen machen, daß irgendwann meine eigene Lieblingswanne verschwunden ist, dann ist das tolerierbar (was ja bekanntlich noch immer eines der grundlegenden Prinzipien von Außenhandel ist). Wenn ich mir Sorgen machen muß, dann arbeitet er nicht, sondern ist ein böser Verbrecher.

Andere gehen desöfteren zu der großen Firma mit dem roten A und werden fürs erscheinen, warten und verachtet werden bezahlt. Warum ist Arbeitslosigkeit keine Arbeit? Weil ich mir vorstellen darf, daß das meine Steuern sind, die da für wen anders über die Theke gehen. Wir sehen - die soziale Definition von Arbeit entscheidet sich im wesentlichen daran, ob ich mir Sorgen mache bestohlen oder unter diesen widerlichen moralischen Druck gesetzt werde meinen Besitz zu teilen oder gezwungen werde dies zu tun.

Je mehr Liebe ein Mensch zu seinen Mitmenschen empfindet, desto weniger wird er sich daran hochziehen, ob jemand arbeitet oder nicht. Mit der Liebe für andere und nicht nur für sich erweitert sich der Blick und das Verständnis wandelt sich fort vom Geld und vom Mammon hin zu ethischen Kriterien. Arbeit erfährt eine Umbewertung. Der Autodieb in der Fremde oder eben der Besitzer einer Bananenplantage, in der die Arbeiter ziemlich zu schlucken haben, kommt nicht mehr so einfach als redlicher Arbeiter durch, sondern muß sich Fragen gefallen lassen, ob sein Geld nicht schmutziges Geld sei, weil es durch unethische Aktivitäten gewonnen wurde.

Hier ist Arbeit nun eine Tätigkeit geworden, die Sinn macht, die einen Nutzen mit sich bringt. Dabei ist es allerdings in hohem Grade von der persönlichen Meinung abhängig, was als sinnvoll empfunden wird und was nicht. Der eine findet es sinnvoll die Revolution voranzutreiben, indem er Vertreter des kapitalistischen Schweinesystems kaltmacht, der andere meint vielleicht eher, daß man keine Menschen ermorden darf, weil der Zweck niemals die Mittel heiligt. Diese ethische Auffassung in reinerer Form von Arbeit ist aber für sich leider schon relativ selten zu finden.

Nun möchte ich auch über dies hinausgehen und die Frage riskieren: "Gibt es denn Gerechtigkeit?" Und zwar will ich das aus dem Grunde tun, um auf eine tiefere, geistigere Ebene des Themas "Arbeit" zu kommen. Hat es also jemals auf diesem Planeten zu irgendeiner Zeit Gerechtigkeit gegeben? Unwillkürlich werden dies nahzu alle Menschen mit "Nein" oder "Mal mehr mal weniger" beantworten. Dem ungeistigen Menschen scheint die Natur keine Gerechtigkeit zu kennen und der Mensch gibt sich in der Regel höchstens vereinzelt mal Mühe. Was aber macht Gerechtigkeit aus? Daß jeder gleichviel Geld hat und gleichen Besitz? Daß jeder gleichlang leben darf? Daß alle in allem gleich sind? Diese Frage wurde schon vor meiner Zeit diskutiert und meist verneint. Was aber ist dann Gerechtigkeit?

Vielleicht ist die Welt ja schon gerecht? Vielleicht wissen nur die Menschen, die sich dafür nicht interessieren nicht, warum Gott was fügt, zuläßt und tut und halten deshalb manches für ungerecht, weil sie den Grund nicht verstehen? Wenn es göttliche Gerechtigkeit gibt, dann ist sie existent und real. Und was ist mit der menschlichen Gerechtigkeit? Gibt es sie? Was macht sie aus, wenn nicht die Liebe? Wer kann gerecht sein ohne zu lieben? Pharisäer? Neupharisäer? Weltchristen mit dem ultimativen Abonnement auf Erlösung? Ist gerecht wer sich dafür hält oder der, welcher sagt "was bin ich für ein unnützer Knecht" (Lk 17:10) ?

Ist der gerecht, der sich nach den Gesetzen richtet oder der, der völlig und in allem aus der Liebe heraus lebt? Wenn ein Mensch vor Gott nichts besitzt, weil alles von Gott ist, wie kann er dann anders gerecht sein, als in der Liebe nach Jesus Vorbild und Willen? Wer ist gerecht als Gott allein? Ist es nicht eine Gnade Gottes, daß er dem Menschen in der Welt mehr oder weniger die Gelegenheit gibt, seine Mitmenschen zu lieben, (Nächste = die Menschen die dir so begegnen und an dir vorübergehen wo du stehst und gehst) zu beschenken, obwohl der Mensch eigentlich nichts hat, was er verschenken könnte? Was sind das für Menschen, die diese Gnade nicht wahrnehmen und lieber den verlorenen Sohn spielen und den Erbteil des Vaters veruntreuen (Lk 15:11ff) ? Was gibt es da nicht für deutliche Bilder in der Bibel und keiner will sie kapiert haben?

Wie kann ein Mensch gerecht sein, der lediglich von Gott begnadet ist, also die nur wie jeder Mensch in seinem Rahmen die Möglichkeit hat dies im Sinne Gottes zu nutzen, dazu aber nicht gezwungen ist durch seinen freien Willen, der sein Leben ja im Grunde ausmacht und so die Möglichkeit zweckentfremdet für weltliche Zersteuung und eitle Dinge? Wie aber kann ein Mensch gerecht sein, der die Gnade Gottes für die Hölle nutzt, statt für den Himmel? Was ist das für eine Gerechtigkeit, die sich rein weltlich versteht und dazu noch in einer Weise die trefflicher als geistige Asozialität bezeichnet werden muß (= der Glaube selbst etwas rechtmäßig zu besitzen obwohl alles was der Mensch hat, ihm von Gott nur gegeben ist, damit er es in Gottes Sinne verwaltet. In Bezug auf die Stellvertreter Gottes auf Erden (die über das Gesinde, also die aus dem Geist der Liebe wenig frommen Menschen gesetzt sind) betrifft das wohl besonders die Bibelstelle Luk12;35-48). Wie kann ein Mensch gerecht sein, der Gott kennt und gleichzeitig auf seinem Besitz sitzenbleibt, wenn er damit auch wem einen Dienst erweisen könnte? Wie kann ein Mensch gerecht heißen, der Gottes Gnaden nicht mit Freuden annimmt und umsetzt? Deswegen hat schon Jesus die Pharisäer ausgemeckert; geschnallt hat es scheinbar keiner.

Wie ist es denn mit der Art, wie wir uns vergnügen? Je sinnloser (bezogen auf den an anderer Stelle erörterten geistigen Liebesinn) desto schöner? Warum ist es denn so schön Besitz zu verschwenden, zu fressen, zu prassen? Die Menschen wissen nicht bewußt wessen Geist sie anbeten, weil sie alles Geistige leugnen und verdrängen, um ja nicht erkennen und aus ihrem Schlaf erwachen zu müssen in ihrem dunklen Kämmerlein. Es ist Satan, der die Menschen belohnt, durch das Auflodern der Hölle in ihnen, wenn sie die Möglichkeit etwas Dingliches oder Geistiges zur Liebe zu verwenden ausschlagen und es dafür sinnlos verbraten. Das ist ja ein alter Irrtum, daß die Hölle für den Teufel eine Qual darstellt. Nein, er fühlt sich in der Hölle wohl. Absolut gesehen ist sein Zustand freilich ein überaus jämmerlicher (und aus der Sicht eines Himmelsbürgers oder eines Engels ist die Hölle auch in der Tat eine entsetzliche Marter, was der Teufel aber so nicht empfindet aufgrund seiner großen geistigen Lichtlosigkeit und daraus seiner Unkenntnis der unendlichen himmlischen und geistigen Wonnen seliger Geister. Das ist ja auch die Funktion des Leids an sich, daß die Verblendung aufgebrochen wird und der Dämon zum Vater und zu seiner eigentlichen Natur zurückfinden kann, die alleine ihn selig machen kann, auch wenn er so verblendet ist, daß er das nicht mehr erkennen kann und sich aus dem Geist Satans sich sogar mit aller Kraft gegen die Liebe und den Geist Gottes zur Wehr setzt), weil er sich dem Tod geweiht hat. Da ist nix gruseliges oder gefährliches an der Hölle, sie ist eben nur ein Zustand der Seele, der sehr unangenehm wird, wenn der Körper von der Seele geschieden wird und die Gnadenflüsse Gottes bei weitem nicht mehr so reichhaltig über jeden gegossen werden. Die Hölle im Jenseits, das ist die Gier nach prasserischer Extase ohne jemals wie im Erdenleben noch die Kraft zugeführt zu bekommen, die der Mensch nach seinem Willen verwerten könnte (Wie kann die Frage sein, was ich nehmen und behalten kann, wenn die echte Liebe (und ohne echte, herzliche Liebe der Menschen zueinander muß jedes politische System zur blanksten Hölle werden) doch garnicht fragt was sie nehmen kann, sondern was sie geben kann und wie sie das, was man ihr gegeben hat geistig am sinnvollsten weitergeben kann. Die wahre Liebe ist ja geistig und braucht für sich nur höchst wenig weltliche Dinge). Und da ist dann halt sehr schwer wieder herauszukommen. Die Hölle im Jenseits ist die tiefe Finsternis und daraus die ätzendste Langeweile, weil die Seele sich durch die Tätigkeit in der Liebe keine "Schätze im Himmelreich" erworben hat, also die Liebe zu etwas Geistigem verinnerlicht hat und somit die Vereinigung damit in der Gnade Gottes.

Warum vergnügt es denn die Menschen nicht, ihren Mitmenschen Gutes zu tun und zwar einfach so, ohne irgendeine Gegenleistung. Die Liebe belohnt sich ja schon im Geist spürbar, wie kann man sie verachten? Wieder nur weil Satan seinen Einfluß sichert, durch das Angebot Gottes Gnadengaben ihm zu geben, also sie nutzlos zu verschleudern. Wenn ein Mensch also lieber für Unsummen (das ist relativ) shoppen geht, als das Geld jemandem zu schenken, der es sinnvoll, das heißt seinerseits wieder für eigene Liebetaten (indem er nicht mehr soviel Zeit darauf verwenden muß um sich alleine durchzuschlagen und talent- und liquiditätsbedingte Synergien genutzt werden können) und einen bescheidenen Lebensunterhalt verwerten könnte, betet damit im Geiste schon Satan an, weil ihm die Hölle ja offenkundig lieber ist, als der Himmel der Liebe. Ebenso ist es mit dem, der sich lieber vor die Glotze haut, um abzuschalten, als seinem traurig-einsamen Nachbarn eine Freude zu bereiten. Und so ist es auch zu erklären, daß mancher vom Christentum zu wissen meint: "Alles was Spaß macht, ist da verboten.", nur daß es andersherum besser zu verstehen ist, nämlich, daß gewisse Zeitgenossen ein sehr höllisches und finsteres und todessehnsüchtiges Verständnis von Spaß haben. Natürlich ist das was wirklich Spaß macht in der Nachfolge Jesu nicht verboten und zu pietistischen und anderen Verirrungen (wobei diese durchaus noch relativ richtig zu nennen sind im Vergleich zu noch größeren Verirrungen in die Lauheit) kann man halt nur sagen, daß deren Erzeuger nicht ganz verstanden haben werden worum es eigentlich ging - Prinzip Nachtflug.

Einem Menschen, der eher der Hölle anhängt, wird also ein Verständnis von Arbeit eigen sein, das besagt: Arbeit ist tun für andere; Vergnügen ist tun für "mich" (also den geistigen Vater, was das Gefühl bezeichnet, das ich anstrebe und dadurch den Geist, der das Gefühl ist) Ein eher himmlisch orientierter Mensch wird dagegen so fühlen: Arbeit ist die Tätigkeit die ich tun muß, um meinen äußeren Lebensunterhalt zu gewährleisten; Vergnügen ist die Tätigkeit, die ich frei aus Liebe heraus tun kann, um meinen Mitmenschen zu nützen. In sofern ist es folgerichtig Verkäufer als Priester Mammons zu bezeichnen und Reklamefuzzis als Hohepriester Mammons und so weiter. Entscheiden tut aber in jedem Menschen der Wille welchem Geist er anhängt, egal was er in der Welt tut. Daher ist es ebensowenig als Todsünde zu betrachten, wenn ein Christ als Verkäufer arbeitet und das aus naiver Liebe tut, als wenn ein Christ in einem satanischen Tempel Protokollführer ist und das aus unwissender Liebe tut (Erkenntnis der Wahrheit ist relativ, zählen tut der ernste Wille die Wahrhaftigkeit zu erreichen, die einem persönlich möglich ist). Unterm Strich muß man jedoch sagen, daß der okkulte Satanismus als solcher geradezu lächerlich ist, möge er so elitär sein wie er will, gegen die Bedeutung der "nur" indirekt satanistischen Konsumsekte, die ja doch wohl eher den Hauptarm des Satanismus hierzulande darstellt, da sie bei weitem die größte Masse an Anhängern umfasst. Manchmal könnte man meinen, der okkulte Satanismus als Feindbild sei nur sowas wie ein Ablenkungsmanöver, auf das sich nachtfliegende Christen einschießen können ohne je die Hauptsache zu erfassen, geschweige denn anzugehen.