Tradition

Es hat sich mit der Zeit so eingespielt, daß ich den meisten meiner Texte eine Art Vorspiel, ein Beispiel dessen, auf was ich abziele voranstelle. Je öfter man etwas in einer bestimmten Form gemacht hat, desto mehr identifiziert man sich mit der Form. Doch die Form an sich ist tot und wird nur durch Geist belebt.

Jesus hat in seinem Tun und Wirken Tradition in teilweise geradezu radikaler Weise abgelehnt. Er wußte um die Giftigkeit generationenüberdauernder Tradition. Da gab Gott den Israeliten in der Wüste das Gebot den Sabbat zu halten, weil sie sich jeder zu sehr mit ihren eigenen Sorgen abgaben. Damals war der Sabbat ein Tag, an dem man aus Liebe seinem Nächten half in bedarfshalber Weltlichem und gerade auch Geistigem. Die Zeit verging und die faulen Menschen machten den Sabbat immer mehr zu einem Ruhetag für sie selbst (leider auch im Sinne eines Zerstreuungsfestes) und begaben sich gar in dem Wahn andere bestrafen zu müssen, weil sie am Sabbat etwas weltlich taten. Das hatte mit Moses nichts mehr zu tun. Jesus heilte auch am Sabbat und wurde deshalb angegiftet und doch hat Jesus recht gehabt, weil er den wahren Grund des Sabbat kannte. Die Tradition des geistig falschen Sabbat, also rituell zu fasten (also zu einer von außen bestimmten Zeit), aber hielt sich bis in unsere Tage vor allem bei den Juden und im Islam aber auch in christlichen Kirchen. Das ist sicherlich nicht schlecht, aber echtes Fasten ist immer eine individuelle Angelegenheit und hat ein persönliches Ziel und erfolgt keinesfalls aus Tradition und Gruppendynamik.

Wir sehen, daß Tradition verheerende Folgen haben kann. Dazu kommt noch mit dem Grad der Finsternis der Tradition, die Aggressions- und Sanktionswut ihrer Anhänger, das heißt, je liebloser Tradition wird, desto gemeingefährlicher wird sie. Der Geist ist formlos. Geist ist immer eine Art Kraft, die erst im Menschen durch die Art seines Wesens Form erhält. Geist und Tradition vertragen sich nicht gut, besonders wenn die Tradition schon sehr verunreinigt wurde. Was aber soll man in dem konkreten Fall mit dem jüdischen Sabbat machen? Seine entschiedensten Vertreter beharrten auf ihrem Irrtum, der niemals von Gott ausging, sondern nur von Satan durch die Sündhaftigkeit der Menschen, was ihr schlechter Geist belegte. Wer also hat nun den Sabbat der Pharisäer geboten; Gott oder Satan?

Wer Geist hat, der hat mehr als Tradition. Sollte daher nicht der Geist wichtiger als die Tradition sein? Wer bezweifelt denn ernsthaft (außer den Betroffenen natürlich), daß Jesus heutzutage mit den christlichen Kirchen im Wesentlichen ähnlich umspringen würde, wie seinerzeiten mit den Pharisäern? Und wenn Gottes Reich doch nicht von dieser Welt ist, warum sollte das nicht auch für Tradition gelten? Tradition als Eitelkeit und Sündhaftigkeit? Tradition als weltlicher Besitz? Warum nicht?

Was macht denn Tradition mit einem Menschen? Einer Tradition zu folgen entspricht doch in etwa dem, sich durch weltlichen Besitz aufzuwerten, in seiner Einbildung. Besitz wertet auf und Tradition wertet auf vor dem Auge von weltlich orientierten Zeitgenossen. Beides ist Selbstliebe, die zur Hölle (geistiger Umnachtung) wird, wenn sie nicht zur Nächstenliebe benutzt wird (denn Tradition hat ja auch gewisse durchaus gute Aspekte in sich). Die Liebe kennt keine Tradition und keinen Anstand, die Liebe kennt nur ihre tatsächliche Erkenntnis.

Tradition, Aberglaube, Folklore, Hoffart - es ist doch ein und dasselbe. Tradition glaubt blind ohne zu verstehen und zu erkennen und ist daher im Grunde nur blankes Heidentum. Wahrer Glaube ist doch der Glaube des Schafes an den Schäfer und nicht etwas wie positives Denken wo das verlassene Schaf versucht sich vorzustellen, daß der Schäfer da ist und daran glaubt, daß er da ist, um es sich einzureden. Von wahrem Glauben ist das himmelweit entfernt. Kann man denn etwas glauben, was man nicht sieht? Nein, natürlich nicht. Darum ist es ja so wichtig die geistigen Sinne reinzuhalten, durch den Lebenswandel den uns Jesus anempfohlen hat. Und wie viele Christen gibt es, die ihre Sündhaftigkeit nicht völlig aufgeben wollen und daher im Geist verfinstert sind und dann versuchen sich an Totem und an Traditionen zu beleben.

Glaube muß sich stets neu aus dem Geist beleben. Spiritualität bietet keinen Raum für Tradition. Nichts kann immer so bleiben, wie es ist, nur der Geist bleibt ewig gleich. Doch wie gesagt hat der Geist ja auch keine Form. Gott sollte man sich vor der Inkarnation der Gottheit in Jesus nicht vorstellen, denn erst in Jesus hat die Gottheit eine konkrete Form angenommen, an die sich der Mensch halten kann und die den Menschen halten kann. Wir können heute mit Jesus reden, wie mit einem Menschen, der neben uns in der Welt verkörpert ist, wenn wir uns in allem ihm ähnlich machen, in der Weise wie es uns der Geist mitteilt und es auch geschrieben steht. Nur das Geschriebene hat immer die Fähigkeit in sich mißverstanden zu werden. Wer aber am Geist ist, der ist an der Quelle aller Erkenntnis.

Tradition ist eine Pest, die den Menschen abhält dem Geist zu folgen. Zweifel sind ihre Kinder. Nie ist ein Zweifel von Gott, denn Gott offenbart sich stets im hellsten Licht und niemals im Geist der Nötigung. Satan nutzt alle Mittel den Menschen davon abzuhalten, seinen Willen zu gebrauchen und seine Urteilsfähigkeit. Gott tut das nicht, denn dann hätte Gott dem Menschen ja erst gar keinen freien Willen geben brauchen. Gott achtet den freien Willen des Menschen, weil der freie Wille die Identität des Menschen ausmacht, ohne die er nur ein Tier wäre, das nur fähig ist, in sehr engen Bahnen seinem Instinkt zu folgen (welche aber immerhin noch viel weiter gefasst sind als die von so richtig feste in die Materie hineingeliebten Menschen). Der freie Wille und die Fähigkeit des Menschen zur tiefsten Hölle aber ermöglicht dem Menschen erst sich mit Gott in einer Weise zu verbinden, die den Menschen begeistert, also den Geist im Menschen weckt.

Tradition hindert den Menschen an seinem Willen, daher kann nie aus bloßem Traditionsglauben ein Mensch Gott erkennen. Einer Tradition zu folgen, entspricht dem Verzicht auf die eigene Menschlichkeit und die eigene Erkenntnisfähigkeit. Nun sind aber Traditionen bei weitem nicht die schlimmsten Übel auf diesem Planeten. Tradition ist nicht einmal zur Sündhaftigkeit im engeren Sinne zu zählen und Tradition kann durchaus sogar sehr effektiv Sündhaftigkeit verhindern und den Menschen relativ rein erhalten. Doch oft ist Tradition auch eine der letzten Schleier vor der Begegnung mit Jesus. Oft hängen die Menschen so sehr an ihren Traditionen und den Menschen, die auf ihre Befolgung achten, daß sie der Stimme des Herrn nicht folgen, wenn diese sie auffordert schließlich zur weiteren Vervollkommnung auch mit Traditionen im Stillen zu brechen. Oft erliegen die Menschen ihren Zweifeln und halten die Stimme Gottes für satanische Einflüsterung.

(Wer das alles nicht versteht, was für eine Stimme hier gemeint ist, der sollte ersteinmal beginnen, durch seinen Lebenswandel Jesus zu folgen und sich mehr und mehr von aller Sündhaftigkeit, das sind weltliche Reize und die Süchte danach, liebloser Umgang mit Mitmenschen und dergleichen mehr, nachzulesen in den Evangelien des Neuen Testaments, denn eine ungeordnete und in ihrem Wollen an der Welt wider dem Willen des Herrn haftenden Seele, ist dem Geist sehr fern. Es ist eine ausgesprochene Gnade, daß der in seinem Willen sündhafte Mensch diese Stimme nicht hört, denn sie wäre ihm ein schärfstes Gericht. So hält Jesus sich zurück, solange nicht der Wille eines Menschen klar erkenntlich ist seiner Stimme dann auch zu folgen. Es ist der Schutz vor zu erwartender noch tieferer Sünde gegen den Geist. Die Sündhaftigkeit im Wollen ist wie das Aufwirbeln von Staub in der Seele des Menschen - wer dann nichts mehr sieht, der darf sich auch nicht wundern. Die erste Zeit des Entzugs ist die schwerste, da der Staub sich erst langsam legt und man also keinen Erfolg sieht. Nach einem Jahr Verzicht auf alle schweren Sünden (das sind die, an denen das Herz am meisten hängt) sollte aber das Schlimmste vorüber sein und die Erkenntnis Jesu wird immer weniger auf den Verstand und unbegründete Vermutungen angewiesen sein, weil der Geist beginnt rege zu werden, weil sich der gröbste Staub in der Seele gelegt hat und Licht durchzuschimmern beginnt. Wer in Liebe zu Jesus beten kann, der sollte das tun, weil das wie die selbstlose hingabevolle demütige (Demut ist eine wichtige Eigenschaft Jesu in der jeder Mensch sich üben muß, der sich ihm nahen will - ohne Demut kein Geist, da der Hochmut (der Glaube etwas ohne die Hilfe Gottes (nochne Klammer in der Klammer in der Klammer in der Klammer, hihi!) tun zu können beispielsweise) und die Ruhmsucht ja Ungeist und somit Gegensätze des Geistes sind) Liebe in der Welt gegenüber den Mitmenschen auch wirkt, wie ein Sprühregen, der den Staub schneller zu Boden schlägt, wer das nicht kann, der muß das nicht tun, weil kein Mensch zu wem beten kann, von dem er nicht im Geiste weiß, daß es ihn überhaupt gibt und welches Wesen ihm eigen ist.)

Werdet wie die Kinder rät Jesus denen, die ihm ins Himmelreich nachfolgen wollen. Hat schonmal jemand mal ein Kind gesichtet das traditionsbewußt aus eigenem Antrieb war? Kinder erfinden täglich, stündlich, minütlich ihre Welt neu. Traditionalisten begeben sich dagegen gerne auf Hexenjagd und Inquisitionsreise und wäre da nicht das Strafgesetzbuch eines säkularen Staatswesens - wer weiß! Da wird ohne zu Zaudern über alles hergezogen was nicht in die eigene Folklore hineinpaßt, ohne mehr als einen Blick in ein Buch übers Thema geworfen zu haben, geschweige denn sich ernsthaft auseinandergesetzt zu haben (oder gar selbst ernsthaft im Glauben an Jesus Christus zu leben und zu weben) und da wird dann alles was einem ketzerisch vorkommt in einen Sack gesteckt und draufgedroschen. Seltsam nur, daß die ersten, die dem Jesuskind einen Besuch abstatteten nicht Pharisäer, Leviten oder sonstige Juden, sondern die berühmten drei Magier aus dem Morgenland waren (oft von der wörtlichen Bedeutung des Urtextes abweichend als die "drei Weisen" übersetzt). Zudem hat Jesus ja auch mit allen möglichen Zeitgenossen wie Huren, Zöllnern (=Volksverräter, weil sie die römische Staatsgewalt und damit die Fremdherrschaft Israels mitvertraten, oftmals auch sehr "geschäftstüchtig"), Aussätzigen und dergleichen mehr verkehrt, weil es ihm darauf ankam, wie das Herz eines Menschen beschaffen ist und nicht, wie die Menschen von diesem denken. Kinder schauen ja auch nicht von sich aus nach dem Äußeren eines Menschen. Tradition ist auch nur eine Spielart der Mode und die kommt und vergeht bekanntlich. Beide sind nichts Wirkliches, sondern nur Auswuchs menschlicher Verirrung. Was hingegen zählt, ist die freie Liebe eines Menschen und deshalb nur hinfort mit den Traditionen in die Geschichtsbücher!